Interviewcheck | Im Gespräch mit Markus Pelzer

Karpfenangler Markus Pelzer

Laut Wikipedia versteht man unter Angeln oder auch Sportfischen die Ausübung der Fischerei mit einer Handangel. Mit dem Wirtschaftszweig Fischerei hat dies nicht soviel zu tun. In Deutschland verhält es sich leider so, dass man häufig hinter vorgehaltener Hand zugibt, dass man leidenschaftlicher Angler ist.

In anderen Ländern, wie beispielsweise in Großbritannien, gehört der Angelsport zum guten Ton und nimmt einen ähnlich hohen Stellenwert wie das Golfspielen ein.

Das älteste Bruchstück eines Angelhakens wurde 2011 gefunden und wird auf ein Alter zwischen 16.000 und 23.000 Jahren geschätzt. Heute dient die Fischerei der Nahrungsmittelbeschaffung und aus dem Angeln an sich. Daraus hat sich eine wirkliche Sportart entwickelt, bei dem sich unterschiedliche Angelmethoden entwickelt haben.

Eine spezielle Methode ist das Karpfenangeln. Eine Besonderheit beim Karpfenangeln ist der lange Ansitz. Karpfenangler verbringen zumeist mehrere Tage an einem Gewässer und sind mit extra dafür entwickelten Gerätschaften ausgestattet. Neben elektronischen Bissanzeigern, einem Rod-Pod spielen auch die Ruten beim Karpfenangeln eine große Rolle.

Sonnenuntergang beim Angeln © Fotoquelle Markus Pelzer

Ein Idol in der deutschen Karpfenangler-Szene ist Markus Pelzer. Geboren in Neuss (nähe Düsseldorf), fischt Markus Pelzer seit seinem 6. Lebensjahr. Er konnte sich u.a. durch spektakuläre Großkarpfenfänge einen Namen machen. Zahlreiche Publikationen in Fachzeitschriften sowie Bücher gehen auf sein Konto. Zudem hat Markus Pelzer im Jahr 1993 die Firma Pelzer Baits gegründet, welche die Karpfenangler mit speziellem Gerät und Futtermaterialien (Boilies) ausstattet. Zudem berichtet Markus Pelzer seit 18 Jahren in einer eigenen Kolumne in der Zeitung Angelwoche über seine Erfahrungen als Angler.

Karpfenangeln ist nicht nur das stumpfe Dasitzen und auf einen Fisch warten zu wollen. Es ist vielmehr eine Leidenschaft. Zu dem Thema Karpfenangeln stand uns Markus Pelzer Rede und Antwort.

Interviewcheck: Du hast bereits mit zarten 6 Jahren mit dem Angeln begonnen. Wer hat Dich zum Angeln „verleitet“?

Boilies - spezieller Köder beim Karpfenangeln Bildquelle: Wikipedia

Markus Pelzer: Mein Vater angelte und nahm mich sehr früh mit ans Wasser. Schon als ich 4 oder 5 Jahre alt war fing ich meine ersten Fische zusammen mit ihm. Dazu kam, dass ich in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Baggersee (wo wir auch angelten) aufwuchs und der See und das Gelände drum herum so etwas wie mein großer Spielplatz war.

Interviewcheck: Wann hast Du das Karpfenangeln für Dich entdeckt?

Markus Pelzer: In dem erwähnten See gab er sehr viele Karpfen. Die meisten waren recht klein, aber immer noch viel größer als die anderen Fischarten, die wir fangen konnten. Rotaugen, Brassen , Schleien. Ihm Alter von 10 -12 Jahren versuchte ich deshalb schon gezielt auf Karpfen zu angeln. Ich bin dabei geblieben… Auch wenn ich heute, wie auch damals schon, natürlich auch auf andere Fischarten angelte. Jedoch geschätzte 95% meiner Angelzeit verbringe ich mit dem KarpfenangelnKarpfenangeln ist unglaublich facettenreich. Jedes Gewässer, welches man befischt, ist in gewisser Art und Weise eine Welt für sich, auf die man seine Angeltaktiken und Montagen & Köder anpassen muss, wenn man erfolgreich sein will. Es ist eine perfekte Mischung von Aktion und Entspannung. Eine ausgeprägte Naturverbundenheit spielt aber natürlich auch eine Rolle.

Interviewcheck: In der Karpfenangler-Szene wurde vielfach über Deine großen Fänge gesprochen. Einige haben Dich dafür bewundert und Dich zu ihrem Idol gekürt. Wie gehst Du damit um?

Markus Pelzer: Womit umgehen? Ab und zu auf Messen nach einem Autogramm gefragt zu werden ist ohne Zweifel etwas sehr nettes und ich freue mich einen kleinen Teil dazu beitragen zu können andere zu animieren, intensiv auf Karpfen zu angeln.

Interessant fand ich die Erfahrung das man wohl ab einem gewissen Bekanntheitsgrad bei Anglern ein immer beliebteres Gesprächsthema wird. Und Angler erzählen gerne… Schon amüsant welche Märchen einige Angler über mich erfanden nur um sich selber für einen kurzen Augenblick scheinbar selber interessant gemacht zu haben…

Interviewcheck: Dann fangen wir doch mal mit Zahlen an. Wie groß und wie schwer war Dein größter Karpfen?

Markus Pelzer: Ein Schuppenkarpfen mit einem Gewicht von 40,4 kg. Gefangen im Juni letzten Jahres in einem Baggersee..

Beim Karpfenangeln ist es allgemein üblich das Gewicht des Fisches zu ermitteln-nicht jedoch die Länge des Karpfens. Karpfen haben ganz unterschiedliche Körperformen. Es gibt schlanke wie auch sehr fette Fische. Teilweise hängt dies natürlich auch mit dem Nahrungsvorkommen für die Karpfen im jeweiligen Gewässer zusammen.

Das Längen-Wachstum bei Karpfen in begrenzt. Irgendwann wachsen sie nicht mehr in der Länge . Vorausgesetzt sie finden genügend Nahrung gehen sie dann mehr in die Breite und werden vom Gewicht her schwerer.

*(Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich bisher um den schwersten Karpfenfang in Deutschland und den schwersten Schuppenkarpfen weltweit)

Rod-Pod mit drei Ruten und BIssanzeiger Bildquelle Wikipedia

Interviewcheck: Respekt! Wann war Dir bewusst, dass Du Dein Hobby zum Beruf machen möchtest?

Markus Pelzer: Es entwickelte sich ganz einfach so. 3-4 Jahre nachdem ich die Firma gegründet hatte wurde klar, wohin der Weg führen würde…

Interviewcheck: Du hast 1993 Deine eigene Firma gegründet. Wie kam dieser Entschluss zustande?

Markus Pelzer: Ich gehörte damals mit zu den ersten, die mit Boilies und Festbleimontagen auf Karpfen angelten. Ich fing daher viel mehr als andere Angler. Einige fragten, ob sie die Köder von mir bekommen konnten. Es gab sie damals kaum zu kaufen… Sie bekamen die Kugeln von mir und ich verbrachte mehr und mehr Zeit damit die Boilies für andere herzustellen Das war 1989-90. 1993 gründete ich die Firma und brachte dann Anfang 1994 den ersten Katalog heraus. Zum Abschluss meiner Berufsausbildung als Offsetdrucker durfte ich den glücklicherweise kostengünstig in meinem Ausbildungsbetrieb selber drucken.

Interviewcheck: Wie sieht der Entwicklungsprozess für Deine Produkte aus?

Markus Pelzer: Aus einer Idee wird ein Prototyp-Produkt. Wenn dieses so wird wie erwartet, wird es ausführlich in der Praxis getestet und mögliche weitere Verbesserungen am Produkt zusammengetragen. Dann folgt die Erstellung des zweiten Prototyp-Produktes. Hiervon werden dann schon mehrere hergestellt, damit verschieden Angler sie testen können.

Die Erkenntnisse dieser Angler fliesen dann noch mal in das finale Endprodukt, so wie es in den Handel kommt, mit ein.

Interviewcheck: Testest Du Deine Produkte selbst?

Markus Pelzer: Selbstverständlich .Jedoch natürlich nicht alleine . Wie eben schon erwähnt, sind es immer verschieden Angler die ein Produkt testen. Glücklicherweise kann ich dabei auf die Erfahrung und das Wissen von eine Reihe sehr erfahrener Anglern zählen, welche mich bei der Produktentwicklung unterstützen.

Interviewcheck: Du hast in Deinem Buch „Karpfen angeln – Toptechniken, Taktiken und Köder“ zusammen mit Wolf-Bernd Wiemer schon ausführlich beschrieben, was beim Karpfenangeln wichtig ist. Was gibt es explizit für Anfänger zu beachten? 

Markus Pelzer: Die Grundvoraussetzung um Karpfen zu fangen ist, dort seine Köder anzubieten, wo auch Karpfen fressen. Das sollte jeder, der mit dem Karpfenangeln beginnen möchte, fest vor Augen haben. Die tollste Ausrüstung bringt nichts, wenn sie nicht richtig eingesetzt wird… Um Karpfen zu fangen oder auf Karpfen zu angeln braucht man natürlich nicht eine so umfangreiche Ausrüstung, wie es teilweise den Eindruck macht. Die meisten Ausrüstungsgegenstände machen das Angeln nur angenehmer oder etwas einfacher für jeweilige Situationen bei Angeln.

Interviewcheck: In einem Angler-Forum wurde letztens darüber diskutiert, welche Vorteile und Nachteile der Rutenbau hat und wie es sich mit „Stangenruten“ verhält. Wie sieht Deine Meinung dazu aus?

Markus Pelzer: Angler sind sehr oft Individualisten und gerade bei Angelruten ist es so, dass einige ihre ganz persönlichen Angelruten haben möchten. Es hat sehr wenig mit der Praxistauglichkeit von Ruten zu tun. Heutzutage gibt es von zahlreichen Anbietern qualitativ sehr hochwertige Ruten. Es gibt von daher nicht mehr den Grund, eine Rute speziell für sich selber bauen zu lassen. Vor 15 Jahren war das noch anders und es gab weniger brauchbare Karpfenruten auf dem Markt. Damals wurden noch deutlich mehr „handmade“ Ruten speziell nach Kundenwunsch gebaut.

Interviewcheck: Viele Angler statten sich mit Geräten, auf sehr hohem technischen Niveau aus und wundern sich über eine geringe Fangquote, weil sie zumeist das Vorfach vernachlässigen. Wo genau liegt der Trick eine hohe Fangquote zu erzielen?

Angler-Nachtimpressionen ©Bildquelle Markus Pelzer

Markus Pelzer: Zur richtigen Zeit, an der richtigen Stelle, mit dem richtigen Köder zu fischen…Das ist meist schon alles…. Um das „Vorfach“ bzw. die Endmontage als Beispiel zu nehmen: es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten die Endmontage zu gestalten. Oft ist es so, das ganz viele verschiedene Endmontagen wenn sie an der richtigen Stelle angeboten werden zum Erfolg führen können. Nicht nur eine ganz besondere. Nur wenn die Endmontage nicht dort liegt wo auch Karpfen zum Angelzeitpunkt fressen wird man nicht zum Fangerfolg kommen können.

Interviewcheck: Wie sieht Dein Trick aus? 

Markus Pelzer: Ich würde es nicht als meinen „Trick“ bezeichnen, eher als den „Trick“…

Das Verhalten von Karpfen ist von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich. Sie passen sich ihrem Lebensraum an. Man muss versuchen das Verhalten der Karpfen in einem Gewässer zu verstehen. Warum sie sich wo und wann in bestimmten Bereichen des Gewässers aufhalten.

Die richtigen „Hot Spots“ zu beangeln ist das entscheidende… 1 Stunde an der richtigen Stelle zu angeln bringt immer mehr als z.B. 2 Tage nonstop an einer Stelle wo kein Karpfen frisst…Eigentlich recht verständlich, doch viele Angler glauben die Karpfen würden an eine Stelle geschwommen kommen, weil sie dort Futter rein geworfen haben. Das ist in einigen Gewässer so-allerdings sind das dann Gewässer, wo die Fische kaum ausreichend natürliche Nahrung finden und daher gezielt nach Futter von Anglern suchen. In solchen Gewässer findet man jedoch normalerweise keine schweren Karpfen…

Und zusätzlich muss man lernen zu verstehen das es von Gewässer zu Gewässer unterschiedliche Aspekte bzgl der Angeltaktik und Methoden gibt, die wichtig sind für den Fangerfolg. Man muss sein Angeln immer wieder den Gegebenheiten anpassen.

Interviewcheck: Woran mag es liegen, dass sich sehr wenige Frauen für das Angeln, speziell das Karpfenangeln interessieren?

Markus Pelzer: Ich denke nicht das sich speziell fürs Karpfenangeln besonders wenig Frauen interessieren…Angeln allgemein ist immer noch eine Männerdomäne…

Vielleicht hat es auch manchmal damit zu tun, das Angler ihre Frauen/Freundinnen nicht unbedingt mit dabei haben wollen und die Zeit am Wasser lieber alleine oder mit Freunden verbringen...

Interviewcheck: Vielen Dank für das Interview und Petri heil. Gibt es noch etwas, was Du unseren Lesern sagen möchtest?

Markus Pelzer: Zum Karpfenangeln braucht man nicht zwangläufig besonders viel Zeit, man muss nicht wie im Eingangstext beschrieben tagelang am Stück am Wasser verbringen. Ein paar Stunden z.B. am frühen morgen oder am Abend reichen aus um eine schöne Zeit in der Natur zu haben.

Angeln als Sport zu bezeichnen ist so eine Sache…

Angeln ist Angeln. Und geangelt wird weltweit seitdem es uns gibt.

Das Interview wurde von Tanja Spenst geführt.

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